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Georgsmarienhütte/Aachen, 07. Januar 2016

Dialog-Preis für Landjugend und MISEREOR

Jury würdigt konstruktive Beilegung des Streits über Landwirtschaft im Emsland

(Georgsmarienhütte/Aachen, 07. Januar 2016) Gemeinsam mit zehn Ortsverbänden der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) aus dem Emsland ist MISEREOR mit dem Johannes-Voetlause-Preis ausgezeichnet worden. Die Ehrung fand beim Landwirtschaftstag der Landvolk-Hochschule Oesede in Georgsmarienhütte statt. Gewürdigt wurde mit dem Preis der rund ein Jahr andauernde fruchtbare Dialog zwischen den Jugendorganisationen und dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit über das Thema Landwirtschaft, der nach harten inhaltlichen Kontroversen zu einer einvernehmlichen Beilegung des Konflikts geführt hatte.

"Die Jury ist von der geführten Debatte beeindruckt", lobte Pastor Thilo Wilhelm, Rektor der Landvolk-Hochschule, in seiner Laudatio. "Dieser Prozess des Voneinander-Lernens ist vorbildlich für viele Diskussionen unterschiedlicher Art in unserem Gemeinwesen. Darüber hinaus wurde eine Debatte angestoßen, die längst überfällig war."

"Wir waren anfänglich schon geschockt über die Schärfe der Auseinandersetzung", sagte Andreas Lohmann, Leiter der Abteilung Projektpartnerschaften und Spenderkontakte bei MISEREOR, bei der Preisverleihung. "Umso glücklicher sind wir, dass wir diesen Streit nun überwinden konnten."

Der Gesprächsfaden sollte nicht abreißen

Nach der Teilnahme von MISEREOR an der Demonstration "Wir haben Agrarindustrie satt" im Januar vergangenen Jahres in Berlin hatten die zehn Ortsgruppen der KLJB die aktive Teilnahme am jährlichen Fastenmarsch im nördlichen Emsland zugunsten der Arbeit des Hilfswerks ausgesetzt. Man wolle es nicht hinnehmen, dass die deutschen Landwirte pauschal zu Sündenböcken für Missstände im Agrarbereich abgestempelt würden, hieß es zur Begründung.

Allerdings  wollten die jungen Leute damit keineswegs ihre Eine-Welt-Arbeit einstellen. So starteten die Ortsgruppen im vergangenen Sommer die Aktion "Farm Run - Die Höfetour". Damit wollten sie neben einem Sponsorenlauf der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Bild von der modernen Landwirtschaft zu machen. Mehr als 1000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nahmen teil. Und über 7000 Euro konnte für zwei Entwicklungsprojekte in Südafrika und auf den Philippinen gesammelt werden.

Auf Distanz zu respektlosen Aktionsformen

Parallel waren MISEREOR und die KLJB aber auch darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Es entwickelte sich ein langer Dialogprozess über die Streitpunkte, "der sicher manchmal mühsam war", wie Wilhelm eingestand. Dennoch bewegten sich beide Seiten aufeinander zu. Positiv wurde dabei insbesondere aufgenommen, dass sich MISEREOR in einer Erklärung mit dem Titel "Mehr Gerechtigkeit in der Debatte um die Welternährung" in aller Deutlichkeit von Positionen und Aktionsformen distanzierte, die die Ebene des Respekts gegenüber der Landwirtschaft verlassen. Den KLJB-Verbänden wiederum war es wichtig, die weltweite Solidarität mit den ärmsten Bevölkerungsgruppen nicht aufzukündigen. Mitte Dezember erklärten sie nach dem erfolgreichen Ende des Dialogs, dass sie das globale Engagement von MISEREOR für Landwirtinnen und Landwirte nachdrücklich unterstützten und die Teilnahme von MISEREOR an der genannten Demonstration mittrügen. "Wir haben erkannt, dass wir in unseren Positionen gar nicht so weit auseinanderliegen", erklärte Bernhard Thien, Vorsitzender der KLJB Neulangen. Am emsländischen MISEREOR-Fastenmarsch werden die zehn Ortsgruppen in diesem Jahr nun wieder teilnehmen. "Wenn Christen auf regionaler Ebene nicht konstruktiv Konflikte lösen können, wie sollen das dann andere tun? Ihr habt gezeigt, dass es geht", rief Laudator Wilhelm den Preisträgern zu.

Der Johannes Voetlause-Preis wird von der Katholischen Landvolk-Hochschule Oesede, der Katholischen Landjugendbewegung, dem Landfrauenverband Weser-Ems und dem Landvolkverband Weser-Ems vergeben.

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