Ein gestrandeter Mann in Mali.© Grossmann / MISEREOR
Aachen, 10. September 2015

Podiumsdiskussion zu Flucht und Migration: Afrika trägt die Hauptlast

MISEREOR fordert einen konstruktiven Umgang mit Migration

(Berlin, 10. September 2015) "Die entscheidende Last von Flucht und Migration trägt Afrika selbst und nicht Europa", sagte MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon anlässlich der Podiumsdiskussion "Vor den Toren Europas – Flucht und Migration aus afrikanischer Perspektive", zu der das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR am Mittwochabend in Berlin eingeladen hatte.

Entgegen der häufigen Wahrnehmung hierzulande finde Migration zum großen Teil innerhalb Afrikas statt und richte sich eben nicht auf Europa. "Es gibt riesige Herausforderungen für die Nachbarstaaten von fragilen Regionen in Afrika wie etwa Eritrea oder Sudan. Die Sozialsysteme der Aufnahmeländer, ihre Wirtschaft, ihr gesellschaftlicher Zusammenhalt stehen unter einem ganz besonderen Druck." Nur etwa die Hälfte der afrikanischen Migrantinnen und Migranten lebe außerhalb ihres Kontinents, so Bröckelmann-Simon weiter. Mit insgesamt fünf Millionen Menschen machen Afrikaner in den 28 EU-Staaten lediglich ein Prozent der EU-Bevölkerung aus.

Bereits über 2.700 tote Flüchtlinge im Mittelmeer

"Das eigentliche Drama geschieht vor den Toren Europas und auf dem Weg nach Europa." Davon bekomme Europa kaum etwas mit. Nach jüngsten Zahlen der "Internationalen Organisation für Migration" sind allein in diesem Jahr bei der Fahrt übers Mittelmeer 2.748 Menschen umgekommen. Der Anteil der Afrikaner unter den Toten ist mit 50 Prozent überproportional hoch. Perspektivlosigkeit, Regierungsversagen und Informationsmangel sind laut Bröckelmann-Simon maßgebliche Gründe, warum Menschen in Afrika ihre Heimatorte verlassen, sei es in Richtung der größeren Städte, in die Nachbarländer oder eben auf gefährlichen Wegen nach Europa.

"Was soll ein Familienvater machen, der nicht weiß, was er am nächsten Tag seinen Kindern zum Frühstück geben soll?", fragt der ghanaische MISEREOR-Projektpartner Aminu Munkaila. "Du hast keine Arbeit, nichts, was du tun kannst. Du bist arm, kannst nicht essen, wenn du hungrig bist, kannst nicht ins Krankenhaus gehen, wenn du krank bist. Kannst dir keine Kleidung kaufen." Über Europa kursierten falsche Vorstellungen. Menschenschmuggler würden über Facebook und sogar per SMS für Reisen nach Libyen werben und ihre Dienste anpreisen. "Die meisten Menschen wissen nicht, was sie auf dem Weg erwartet, nichts von den Gefahren in der Wüste und auf hoher See."

Legale Migrationswege nach Europa schaffen

Aminu Munkaila hat selbst mehrmals versucht, durch die Sahara und dann über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, in der Hoffnung dort Medizin studieren zu können. Dreimal wäre er fast ertrunken. Dreimal wurde er wieder zurückgeschickt. Das Projekt "African Development Organisation for Migration" (AFDOM), das Aminu Munkaila 2005 gegründet hat, wird von MISEREOR unterstützt. Es klärt Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren illegaler, internationaler Migration auf und hilft Rückkehrern, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und eine Perspektive in ihrem Heimatland aufzubauen.

"Nur ein kleiner Teil afrikanischer Migration richtet sich auf Europa, dafür braucht es legale Wege der Migration", fordert MISEREOR-Geschäftsführer Bröckelmann-Simon. Die Informationslage in den Herkunftsländern müsse verbessert werden. Es müsse Beratung geben, ob sich Migration wirklich lohnt. In den Zielländern wie Deutschland rät Bröckelmann-Simon zu einem pragmatischen, angstfreien und konstruktiven Umgang mit Migration. "Es braucht eine Vernetzung zwischen den Herkunftsländern und den Zielländern, mit denjenigen, die hier Zukunftsperspektiven anbieten können. Mit unserer Wirtschaft. Unser Handwerk ist zum Beispiel auf der Suche nach Lehrkräften und findet in vielen Berufen keine. Angebot und Nachfrage müssten besser zusammengebracht werden."

Seit 2009 hat MISEREOR in 74 Projekten lokale Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika im Themenfeld Flucht und Migration unterstützt. Das Gesamtvolumen dieser Projekte beträgt 18.670.000 Euro.

Interview mit Aminu Munkaila

Flüchtlinge berichten von ihren Fluchtwegen aus Eritrea und Kamerun (Video)

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MISEREOR-Nothilfe und Wiederaufbau in Syrien, im Nordirak und dem Libanon


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