Aachen, 19. Februar 2016

Simbabwes Felder vertrocknen – 2,5 Millionen Hungernde

El Niño verschärft Ernährungslage im Süden Afrikas

(Aachen, 19. Februar 2016) Die Ernährungssituation in Simbabwe ist in Folge einer gravierenden Dürre derzeit äußerst angespannt. Der Süden des Landes ist besonders betroffen. Insgesamt sind derzeit knapp 2,5 Millionen Menschen von Unterernährung bedroht, in etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Es gibt bereits Hungertote zu beklagen. Die Regierung unter Präsident Robert Mugabe rief angesichts der sich zuspitzenden Lage für weite Teile des Landes den Katastrophenzustand aus. Das in diesem Jahr besonders heftig ausfallende Klimaphänomen El Niño führt im südlichen und östlichen Afrika seit Wochen zu extremen Regenfällen auf der einen und extremer Dürre auf der anderen Seite. In Malawi und Nordkenia fördert MISEREOR bereits seit November 2015 Nothilfe im Umfang von insgesamt 150.000 Euro.

Auch in Simbabwe vernichtete die Trockenheit im Herbst vergangenen Jahres bereits drei Viertel der Ernte. "Das Ausbleiben des Regens wurde von unglaublich hohen Temperaturen verschlimmert. Weiden, Felder und Wasserstellen sind komplett vertrocknet. Nicht nur die Menschen leiden darunter, sondern auch das Vieh verendet. So ergeben völlig vertrocknete Landschaften mit Skeletten von totem Vieh zurzeit einen apokalyptischen Anblick. Die Menschen in den betroffenen Gebieten sind völlig abhängig von Nahrungsmittelhilfe. Wenn nicht bald Hilfe eintrifft, wird sich die Situation schnell zu einer noch schlimmeren Hungerskatastrophe entwickeln", berichtet Désiré Nzisabira, Leiter der MISEREOR-Dialog- und Verbindungsstelle in Simbabwe, von den verheerenden Folgen der Trockenheit vor Ort.

Simbabwe galt einst als die Kornkammer Afrikas. Nun ist die Regierung gezwungen, hunderttausende Tonnen Getreide zu importieren. Dazu beigetragen hat auch die Landreform von Präsident Mugabe, in deren Zuge seit 2000 weiße Landbesitzer von ihrem Land vertrieben wurden, um es schwarzen Bürgern zu übereignen, die allerdings nur wenig Erfahrung mit und wenig Interesse an der Landwirtschaft hatten. Die Nachbarstaaten Südafrika und Sambia sind ebenfalls stark von der Dürre betroffen, sodass die Preise von Nahrungsmittelimporten aus der Region enorm angestiegen sind und es in Simbabwe vielfach zu lebensbedrohlichen Engpässen kommt.

100.000 Euro Nahrungsmittelhilfe

MISEREOR reagiert auf die dramatische Situation mit Nahrungsmittelsoforthilfe im Umfang von 100.000 Euro für die Caritas Bulawayo. "Mit dieser Hilfe unterstützen wir zunächst etwa 1.000 besonders bedürftige Haushalte in der stark betroffenen Erzdiözese Bulawayo im Süden des Landes, um sie vor Hunger und Tod zu schützen. Wir bitten dringend um Spenden, um diese lebensrettende Hilfe fortsetzen zu können. Kinder leiden besonders stark unter dem Nahrungsmangel und gehen wegen des Hungers oft nicht mehr in die Schule. Um die Weiterführung des Schulbesuches der Kinder zu gewährleisten, wird mit dieser Hilfe auch Essen für Waisenkinder und Schulspeisungen für rund 1.200 Schülerinnen und Schüler bereitgestellt", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Freitag in Aachen.

Das Klimaphänomen El Niño ist Wetterexperten zwar seit vielen Jahren bekannt, hat in jüngster Zeit aber schwerwiegendere Folgen als zuvor. Daher erinnerte Spiegel zugleich an die Klimakonferenz im vergangenen Dezember: "Mit der Anerkennung klimabedingter Verluste und Schäden im Pariser Klimaabkommen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Auch das ambitionierte Temperaturziel ist Ausdruck des Bestrebens, weitere Risiken und Schäden als Folge des Klimawandels möglichst klein zu halten. Damit all dies keine bloßen Lippenbekenntnisse bleiben, müssen die Industriestaaten deutlich vorangehen."

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